Warum Menschen in der falschen Beziehung bleiben

Solange wir single sind, denken wir oft, das Ziel sei, eine Beziehung zu führen. Doch nicht jede Beziehung ist besser als ein Leben als Single. Denn wirklich glücklich sind die wenigstens Partnerschaften. Der größere Teil besteht aus mittelmäßig zufriedenen bis hin zu unglücklichen Paaren. Nur warum bleiben Menschen in einer Beziehung, in der sie frustriert sind, sich unverstanden fühlen oder regelmäßig verletzt werden?

Es gibt verschiedene überwiegend im Unterbewusstsein verankerte Muster und Glaubenssätze, die dazu führen, dass Männer und Frauen sich nicht aus einer solchen Beziehung befreien. Dies sind drei der häufigsten Gründe:

3 GRÜNDE, WARUM MENSCHEN IN DER FALSCHEN BEZIEHUNG BLEIBEN:

1. DER HOFFNUNGSSCHIMMER

Hoffnung kann etwas Schönes sein. Falsche Hoffnung wirkt jedoch zerstörerisch und führt dazu, dass wir in einer Situation verharren, die uns unglücklich macht. Viele Menschen bleiben in einer Beziehung, weil sie hoffen, dass ihr Partner sich ändert und dann alles besser wird. Das kann die Hoffnung sein, dass der andere irgendwann mehr Zeit für die Partnerschaft hat, weniger streitet, mehr Verständnis zeigt, weniger Alkohol trinkt, sich mehr um die Kinder kümmert etc. Hierbei handelt es sich jedoch meist um eine unrealistische Hoffnung, denn dass ein Mensch seine grundlegenden Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen ändert, kommt nur äußerst selten vor – und auch nur dann, wenn er aus sich selbst heraus die Motivation dazu entwickelt. Deshalb sollte keine Beziehung auf dem Wunsch basieren, dass der Partner sich ändert.

Ein häufiges Argument in diesem Zusammenhang ist: „Aber niemand ist perfekt, und man wird an jedem Menschen etwas finden, das einen stört.“ Ja, aber: Es ist ein Unterschied, ob die Verhaltensweisen eines Partners gegen die Werte des anderen verstoßen, ihn verletzen und seine emotionale Stabilität gefährden – oder ob es sich lediglich um zwar nervige, aber grundsätzlich harmlose Eigenschaften handelt, wie etwa die Toastkrümel liegen zu lassen, beim Fußballgucken den Fernseher anzuschreien oder mit dem Hund in Babysprache zu reden.

Es geht also nicht darum, den perfekten Menschen zu finden, sondern einen, mit dem eine harmonische Beziehung möglich ist, in der beide Partner die Werte des jeweils anderen achten und auf dessen emotionale Bedürfnisse eingehen.

2. DIE ANGST, NIEMAND BESSEREN ZU FINDEN

Ein weiterer häufiger Grund, in einer unglücklichen Beziehung zu bleiben, ist die Angst, nach einer möglichen Trennung keinen besseren Partner zu finden und allein zu bleiben.

Dies kommt vor allem vor, wenn der aktuelle Partner als besonders begehrenswert gesehen wird, etwa aufgrund von äußerlicher Attraktivität, beruflichem Erfolg oder einer charismatischen Persönlichkeit. Doch diese Eigenschaften bedeuten nicht, dass jemand ein guter Partner ist – manchmal ist genau das Gegenteil der Fall.

Der Angst, niemand Besseren zu finden, liegt letztlich ein geringes Selbstbewusstsein zugrunde. Denn wer überzeugt ist, selbst viele attraktive Eigenschaften zu besitzen und somit eine große Auswahl an potentiellen Partnern zu haben, muss sich nicht mit einer frustrierenden Beziehung zufriedengeben.

Daher ist es wichtig, sich des eigenen Wertes bewusst zu sein und zu erkennen, dass es viele bessere Alternativen gibt als eine unglückliche Beziehung – nicht zuletzt ein entspanntes Leben als Single und die Freiheit, aus dieser Situation heraus einen passenderen Partner zu finden.

3. DAS HELFERSYNDROM

Es gibt Beziehungskonstellationen, in denen ein Partner eine permanente Helferrolle einnimmt und den anderen damit zu seinem Hilfsprojekt macht. Dies kann sich auf verschiedene Lebensbereiche beziehen – vom Versuch, jemandem mit psychischen Problemen oder einer Suchterkrankung zu helfen, über die „Rettung“ eines Menschen aus einer Notlage, wie Obdachlosigkeit oder Flucht, bis hin zur finanziellen Unterstützung eines mittellosen Partners.

Das bewusste Ziel des „Helfers“ ist dabei meist, den anderen aus seiner problematischen Situation zu befreien, um in einer hypothetischen Zukunft eine glückliche Beziehung zu führen (hier kommt der Hoffnungsschimmer ins Spiel). Das unterbewusste Motiv ist jedoch häufig anders gelagert: Auch das Helfersyndrom basiert vielfach auf einem geringen Selbstbewusstsein. Der „Helfer“ glaubt, nur dann geliebt zu werden, wenn er sich durch seine Unterstützung die Liebe und Loyalität des Partners erarbeitet. Zudem gibt ihm die hierdurch geschaffene Abhängigkeit ein Gefühl der Sicherheit – schließlich braucht der andere den Helfer und wird ihn daher wahrscheinlich nicht verlassen.

Doch genau da liegt der Trugschluss, denn der Helfende kann sich nie sicher sein, ob sein Partner vielleicht nur bei ihm bleibt, weil die Hilfskonstellation ihm emotionale, materielle oder finanzielle Vorteile verschafft. Zudem besteht durch das Abhängigkeitsverhältnis ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den Partnern. Eine emotional reife Beziehung auf Augenhöhe ist somit nicht möglich.

HOFFNUNG, ANGST UND ABHÄNGIGKEIT – diese drei Motive bilden die Grundlage vieler unglücklicher Beziehungen. Enttäuschung, Schmerz und Wut sind häufig die Folgen, bevor es irgendwann zur Trennung kommt. Denn kaum eine dysfunktionale Partnerschaft wird je zu einer gesunden, glücklichen Liebesbeziehung. Stattdessen verlieren beide Partner wertvolle Zeit und Energie, die sie besser nutzen könnten, um einen Menschen zu finden, der wirklich zu ihnen passt. Und diesen Menschen gibt es!