3 Dating-Lektionen aus Indian Matchmaking

Indian Matchmaking ist eine Netflix-Reality-Serie über eine indische Heiratsvermittlerin und ihre Klienten. Sie zeigt die Suche junger Männer und Frauen in Indien und den USA nach dem Menschen, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchten. Sie alle sind Mitte zwanzig bis Mitte dreißig, stehen beruflich fest im Leben, haben Freunde und Hobbys, reisen gern und gehen aus. Doch weder über den Freundeskreis noch über Freizeitaktivitäten oder Dating-Apps haben sie bisher den passenden Partner gefunden. Damit fängt die Serie ein, was viele moderne Singles erleben – Dating-Hoffnungen, Dating-Frust und die Frage: Wann finde ich endlich Mr. oder Mrs. Right?*

Die meisten Treffen der Frauen und Männer, die die Heiratsvermittlerin einander vorstellt, laufen ab wie klassische Dates: Sie verabreden sich in einer Bar oder einem Restaurant, wo sie über ihre Arbeit, ihre Interessen und den Wunsch nach einer Beziehung sprechen. Dabei versuchen sie herauszufinden, ob die Chemie zwischen ihnen stimmt.

Als Date Coach finde ich diese Szenen besonders faszinierend, denn hier lässt sich genau beobachten, was ein Date erfolgreich macht und was nicht. Indian Matchmaking bietet den Zuschauern auf diese Weise hilfreiche Dating-Lektionen für das eigene Leben. Die drei wichtigsten Lektionen, insbesondere für Single-Frauen, fasse ich hier zusammen.

Dating-Lektionen aus Indian Matchmaking

1. Die Einstellung macht den Unterschied

Die grundsätzliche Einstellung zum Dating-Prozess ist entscheidend dafür, wie ein Treffen verläuft. Die Indian-Matchmaking-Kandidatin Aparna, eine 34-jährige Anwältin aus Texas, demonstriert eindrucksvoll, wie es nicht geht. Ihre skeptische Grundhaltung zeigt sich in ihrem meist mürrischen Gesichtsausdruck und ihrem desinteressierten, abschätzigen Tonfall. Dass sie stolz in die Kamera sagt, ein gutes Date sei für sie, wenn sie den Mann „nicht hasst“, unterstreicht ihren Pessimismus. Auch während der Treffen fokussiert sich Aparna meist auf Negatives. So erzählt sie ihren Dates ausführlich, was sie alles nicht ausstehen kann, vom Sandstrand über Entspannungsurlaub und mittelmäßigen Weißwein bis hin zu ihrem eigenen Beruf. Dass kaum ein Kandidat sie ein zweites Mal treffen will, überrascht daher nicht.

Mit einer ganz anderen Haltung begegnet die Eventplanerin Nadia aus New Jersey ihren Dates. Sie strahlt positive Energie aus, lacht viel und sieht das Gute in den Männern, die sie kennenlernt. Im Gespräch sucht sie vor allem nach Gemeinsamkeiten und erzählt munter aus ihrem Leben. Nadias fröhliche Art sorgt für gute Stimmung und macht es den Männern leicht, sich in ihrer Gegenwart wohl zu fühlen. Auch wenn ihr das nicht automatisch ihren Traummann beschert, steht eins fest: Die meisten Menschen gehen lieber mit jemandem aus, der offen und gut gelaunt ist, als mit jemandem, der an allem etwas auszusetzen hat.

2. Die Kunst des Zuhörens

Eine weitere wichtige Lektion aus Indian Matchmaking bezieht sich auf die Kunst des Zuhörens. Sowohl Aparna als auch Nadia könnten hier etwas Nachhilfe gebrauchen. Denn beide tendieren dazu, den Männern, die sie treffen, wenig Zeit zum Reden zu lassen. Bei einem Date geht es jedoch nicht darum, den höchsten Redeanteil zu haben und sich bestmöglich zu „verkaufen“, sondern darum, eine Verbindung aufzubauen und einen Einblick in die Persönlichkeit des anderen zu gewinnen. Und der Schlüssel dazu sind echtes Interesse und aufmerksames Zuhören.

Wenn dir dein Gesprächspartner etwas erzählt, ist das kein Stichwort, um deine eigene Geschichte loszuwerden. Stattdessen ist es eine Gelegenheit, mehr über dein Gegenüber zu erfahren. Anstatt also auf den Reisebericht deines Dates mit „Ich war auch schon oft in Italien und mag vor allem…“ zu reagieren, zeig Interesse an seiner Erfahrung. Stelle Nachfragen wie: „Was hat dir an der Stadt am besten gefallen?“ oder „Welchen Eindruck hattest von den Menschen dort?“ Und dann höre zu. So fühlt dein Date sich wertgeschätzt und verstanden. Ein weiterer Bonus ist, dass du so mehr über den Kandidaten erfährst, als wenn du selbst die ganze Zeit redest.

3. Der Kriterienkatalog

Bei Indian Matchmaking können wir auch beobachten, dass einige Singles – und ihre Eltern – zu spezifische Auswahlkriterien bei der Partnersuche ansetzen. In Bezug auf die Werte und den Charakter des zukünftigen Partners ist es wichtig, gewisse Standards zu haben. Wenn einem Ehrlichkeit, Respekt und Treue wichtig sind, hat es wenig Sinn, eine Beziehung mit jemandem einzugehen, der diese Werte nicht teilt. Doch viele Singles halten an Kriterien fest, die für den Beziehungserfolg irrelevant sind und ihren Kandidatenpool unnötig verkleinern.

Ein Beispiel ist die Körpergröße. Nicht nur bei Indian Matchmaking sortieren insbesondere Frauen potentielle Kandidaten aufgrund einer vermeintlich zu geringen Körpergröße aus. Doch ist es für das Glück in einer Partnerschaft wirklich entscheidend, ob der Mann über 1,80 Meter groß ist? Wohl kaum. Vor einigen Jahren machte eine US-amerikanische Studie sogar Schlagzeilen mit dem Forschungsergebnis, kleine Männer seien die besseren Partner.** Dennoch bevorzugen viele Single-Frauen nach wie vor größere Männer – und verpassen so möglicherweise die Chance auf eine glückliche Beziehung mit einem etwas kleineren Mann.

Ein anderes überbewertetes Kriterium ist der Beruf. Die Anwältin Aparna betont bei Indian Matchmaking, dass sie keinen Anwalt daten würde. Doch der dritte Mann, den sie trifft, ist ein sympathischer Anwalt, der ihr gut gefällt (oder wie Aparna es ausdrücken würde, den sie nicht hasst). Dies zeigt, dass der Beruf eben doch nicht so wichtig ist wie zwischenmenschliche Faktoren. Auch hier ist Aufgeschlossenheit besser als zu feste Vorstellungen. Schließlich spielen der Beruf und das Karrierelevel des Lebenspartners eine weit weniger zentrale Rolle als sein Engagement in der Beziehung.

Fazit

Was Indian Matchmaking wunderbar einfängt, sind die typischen Herausforderungen moderner Großstadtsingles, die sich überraschend ähneln, egal ob in Mumbai, Houston, Berlin oder New Jersey.

Und überall gilt, die besten Chancen hat, wer:

  • mit einer positiven Einstellung datet,
  • seinem Gegenüber zuhört und Interesse an ihm zeigt,
  • die eigenen Auswahlkriterien auf Grundwerte und Charaktereigenschaften beschränkt.

Wer diese Punkte beherzigt, hat nicht nur einen größeren Kandidatenpool, sondern schlichtweg bessere Dates!

* Sicher gibt es viele Aspekte von Indian Matchmaking, die aus ideologischer Sicht kritisiert werden können, etwa die Einordnung der Kandidatinnen nach bestimmten Schönheitskriterien durch die Heiratsvermittlerin, der hohe Stellenwert einer hellen Hautfarbe und der Fokus auf obere Bildungs- und Einkommensschichten. Gleichzeitig ist dies ein realistischer Blick auf die Praktik der Heiratsvermittlung. Und auch bei uns sind Aussehen und sozioökonomische Kriterien für viele Singles bei der Partnerwahl zentral. Vor allem aber geht es in diesem Artikel nicht um eine soziologische Analyse von Indian Matchmaking, sondern um die Aspekte des Dating-Lebens, die für alle modernen Singles relevant sind, egal ob in Indien, den USA oder Deutschland.

**Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse finden sich zum Beispiel in dem Artikel „Short men make better boyfriends and husbands“ (2014) von Alice Robb, veröffentlicht in New Statesman.